Freitag, 21. Juni 2019
Ihre Arbeit vernachlässigt sie dabei keine Sekunde. Hofmeister ist schnell, locker, kann auch mal Fünfe gerade sein lassen und ist – nach eigener Einschätzung – manchmal ein wenig sprunghaft. Beim Werkhof ist die zierliche 61-Jährige fast ebenso lang, wie Claus Hofmann, den sie nach 18 Jahren gemeinsamer MAV-Tätigkeit als Vorsitzenden beerbt hat. „Ich bin oft zu schludrig“, wie sie in einem früheren Interview gestanden hat, kann sie jetzt nicht mehr vorschieben. Was bislang der fitte Langzeit-Vorsitzende erledigt hat, muss sie künftig selbst in die Hand nehmen. Unterkriegen lässt sich Hofmeister in keinem Fall. „Ich mag die Menschen gern“, gibt sie als Grund für ihr Engagement für die Kolleg*innen an, gewerkschaftlich war sie nie engagiert.
Andererseits war sie immer bereit in verschiedenen Bereichen zu arbeiten. Neben der Arbeit in der Zentrale, hat die gelernte Bürokauffrau auch für die Vermittlungsagentur „Lobby“ gearbeitet und ist heute noch einmal in der Woche in der Niederlassung Schwandorf anzutreffen. Zum Werkhof ist Hofmeister, die zwei Kinder alleine großgezogen hat, über ein Praktikum gekommen, welches sie schon in der Zentrale absolvierte.
Davor lag für die 61-Jährige eine längere Phase mit gesundheitlichen und sozialen Problemen. Nach Lehre, Berufstätigkeit, Heirat und Geburten, ließ sie sich scheiden und rutschte in eine fatale Alkoholabhängung – über die sie heute offen spricht. Nach Klinikaufenthalten, lebte sie einige Zeit von Sozialhilfe. „Manchmal“, erzählt sie, „hatte ich nur für die Kinder etwas zu essen.“ Sie selbst blieb an solchen Tagen hungrig. Über ein Programm bekam Hofmeister einen Job als Busbegleitung. Anschließend machte sie beim Frauengesundheitszentrum eine Wiedereingliederung, bevor sie beim Werkhof ihre endgültige berufliche Bestimmung fand.
„Mir hat es hier von Anfang an gut gefallen“, denkt sie an ihren Einstieg zurück, „weil die Leute alle so nett sind“. Zwar glich die Einarbeitung einem Sprung ins kalte Wasser: „Mir wurde eine dreiviertel Stunde die Telefonanlage erklärt“, erinnert sie sich lachend. Mit Hilfe ihres Büronachbarn, Maurermeister Richard Wagner, fand sei sich dennoch bald zurecht. Heute gehört sie zu denjenigen mit dem besten Überblick im weit verzweigten Werkhofgeflecht.